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  • Angelika

Schreiben oder Dreck wegrubbeln

Den heutigen Blogeintrag möchte ich dem Thema „Konzentration“ widmen. Oder auch anders ausgedrückt; „Wieso ich keine drei Wörter schreiben kann, ohne mich selbst abzulenken“.


Wenn man in seine eigene Geschichte eintaucht, versinkt man im Treibsand der Wörter. Bestenfalls sitzt man wie in Trance vor dem Laptop und tippt hypnotisch wippend, katatonisch starrend oder manisch mitmurmelnd auf die Tasten. Man ist mittendrin und nichts anderes zählt. Dies sind die produktiven Zeiten, in denen man sich selbst für das absolute Schreiber-Genie hält.


Und dann...

sind da noch jene Momente, in denen ich mich frage, wie ich mein eigenes Leben managen kann. Im Kopf sind diese großartigen Szenen. Farbenfrohe Bilder, die nur noch auf Papier gebracht werden müssen. Ich sitze vor dem Dokument, der Curser blinkt...und ich klicke auf den Internetexplorer. Nur mal kurz die Mails checken und dann zurück zum Dokument. Der Curser blinkt erwartungsvoll weiter, in Gedanken spielen sich zwischen den Protagonisten wahnsinnig wichtige Schlüsselszenen ab.

„Alexa, spiele meine Playliste Daheim.“


Meine Aufmerksamkeit springt zur Musik, die natürlich ausschließlich aus jenen Liedern besteht, die ich mitgröhlen muss. Nach einmal „Hit me Baby one more time“, „blue dabadidabadei“ und zweimal „Wonderwall“, reiße ich mich zusammen und blicke wieder auf den Laptop. Der Curser blinkt immer noch und ich beginne einen Satz einzutippen. Dann, fehlt mir ein bestimmtes Wort. Ich möchte es googeln und als ich erfolgreich weiterschreiben könnte, lohnt sich doch ein schneller Blick auf Facebook.


Dort scrolle ich über meinen Feed und wenig überraschend, will niemand was von mir. Aber ich als Buchliebhaberin und Schreiberling, bin in zig Buchgruppen die fantastische Bücher posten. Das motiviert sowas von! Zurück zum Dokument, immerhin will man sein eigenes Werk endlich veröffentlichen. Der Curser blinkt wieder...eventuell etwas intensiver, fast schon aggressiv. Das irritiert mich überhaupt nicht, denn ich bin darin übergegangen einen alten Kaffeefleck vom Tisch zu rubbeln und anschließend mir im Bad die Hände zu waschen und zu überlegen, ob ich mich heute überhaupt schonmal frisiert habe.


Die nächsten Worte werden irgendwann getippt, aber dann stockt es wieder. Ich scrolle nach oben und lese mich durch die vorigen Kapitel, um wieder reinzukommen. Ehe ich es zurück zum blinkenden, verzweifelten Curser schaffe, war ich auf dem Klo, habe mir Kekse geholt und gegessen, einmal aus dem Fenster gesehen und zuletzt drüber nachgedacht, wieso der Kater schon wieder eine orange Nase hat. Die Minuten in denen ich grüble, wann wir das letzte mal etwas oranges zu Essen hatten, sind die letzten, bis es Zeit ist schlafen zu gehen.


Für mich gibt es offensichtlich nur zwei Zustände in der Schreibphase; die des todesähnlichen Trancezustands in der ich mir lieber in die Hose mache, als aufzustehen (und es vielleicht nicht mal merke) und die des Spatzes, der nicht mal genügend Konzentration hat, um sich an den Wurm zu erinnern, den er gerade gefressen hat. Man muss mir Alexa wegnehmen, die Katzen mit Leckerlis ablenken und mir das Internet kappen.


Oder ich akzeptiere, dass ich manchmal an einem Wochenende 10 000 Wörter schreibe und manchmal an einem Tag 50. Mit Glück. Und die am nächsten Tag lösche.


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