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Der Pride-month geht zu Ende




Der Pride-month. Oder „Wieso hast du noch nichts dazu gesagt, wenn du doch so solidarisch bist“. (Achtung, emotionale Entgleisungen sind in den folgenden Zeilen möglich) Der Juni geht zu Ende und damit auch der „Regenbogen Monat“. Gab es doch in den letzten Wochen viele Statements, Aktionen, Challenges und… viele Regenbogen. Es wurde sich aber auch darüber aufgeregt, was diese „Regenbogenscheiße“ soll oder „rainbowwashing“, mit dem angeblich nur Geld verdient wird. Hat man sich geäußert bekam man manchmal solche Kommentare. War man still, wurde man ebenfalls verurteilt. Ich wurde jetzt tatsächlich schon gefragt, warum ich nicht mal mein Insta bzw. FB Profilbild mit einem Regenbogen umranden möchte, wenn ich doch für Homosexualität bin. Zum einen mag ich dieses „ich drück einen Knopf und bepinsel mein Profilbild mit einem Regenbogen/Impfspritze/Trauerschleife“ nicht, weil ich es meistens heuchlerisch finde und viele das aus Zugzwang machen, ohne die Tragweite zu verstehen. Zum anderen hat es mich aber zum Nachdenken angeregt, wieso das für mich „nicht nötig“ ist.

Ich bin in einer wenig katholischen Familie aufgewachsen, in der man relativ offen war. Das Thema „schwul“ sein war damals gesellschaftlich schon in aller Munde, aber doch auch ein Tabuthema und trotzdem war ich mir sicher, wäre ich statt mit einem Jungen das erste Mal, mit einem Mädl nach Hause gekommen, wäre meine Familie überrascht gewesen, hätte es aber anstandslos akzeptiert. Als ich älter wurde kam ich immer öfter mit homosexuellen Menschen in Kontakt. Auf der Uni, in der Arbeit. Mit den unterschiedlichsten Charakteren. Offen schwulen Menschen, heimlichen bisexuellen Frauen. Manche lebten mit einem Partner oder Partnerin zusammen, andere trauten sich das nicht. Später traf ich noch mehr „von denen“ (Achtung, Sarkasmus) und meistens erzählten sie selbstbewusst von ihrem Leben. Für mich war es immer verwunderlich, warum sie ein so großes Geheimnis draus machen. Ich fand es anstrengend, dass sie nicht einfach offen über ihre Liebsten und ihr Leben sprachen oder, dass ich aufpassen musste, wem ich von ihrem „Geheimnis“ berichte. Für mich, war das normal. Aber, und hier kommt der schlagende Punkt: Sie alle hatten etwas gemeinsam. Selbst jene, die in einer toleranten Familie groß wurden, in der sie sich nicht verstecken mussten, haben ALLE, ausnahmslos einen Kampf hinter sich. Gefühlschaos, Zweifel, Ängste und Schmerz, wegen diverser Diskriminierungen, Mobbing und Ausgrenzungen, nur weil sie nicht eine/n Mann/Frau lieben, so wie es die „Gesellschaft“ gerne hätte. ALLE mussten sich gut überlegen wann sie sich „outen“ und bis heute wird gegrübelt, ob man es als Lehrer offen sagen darf oder im Büro nicht benachteiligt wird. Und genau das meine Lieben, ist der Grund, wieso wir diese „Regenbogenscheiße“ brauchen. Für mich, für dich und viele andere mag es natürlich sein, dass das „Mann zu Frau“ Bild nicht die „Normalität ist“. Was ist schon normal und wieso bestimmen heterosexuelle Menschen, dass schwul sein nicht normal ist? Liebe ist Liebe und das ist nicht nur so ein Spruch. Niemand sucht sich aus, homosexuell zu sein. Man „wird nicht so“ sondern kommt so auf die Welt.

Ein weiterer Satz, der gerne die letzten Tage fiel war, „Wieso müssen DIE stolz drauf sein, lesbisch zu sein?“ Naja, ich behaupte jetzt, dass sie nicht stolz darauf sind als Frau eine Frau oder als Mann einen Mann zu lieben. Oder trans oder bi oder was auch immer zu sein. Aber, sie sind zurecht stolz drauf die ganze Scheisse überlebt zu haben, die ihnen ignorante, kleingeistige hetereo-Menschen angetan haben. Psychisch und oft auch körperlich! Da darf man sich schon mal hinstellen und sagen: „Ich bin stolz darauf heute offen darüber zu reden und über euch Arschlöchern drüber zu stehen, weil ihr mich nicht kleingekriegt habt“. Der pride-month ist nicht für die pride Gesellschaft notwendig, sondern für alle anderen Idioten, die sich über einen Regenbogen wochenlang aufregen können, weil sie nicht genug Beachtung kriegen. DESWEGEN muss man emotional drüber reden, DESWEGEN muss überall ein Regenbogen drauf sein und seis aus kommerziellen Gründen. Solange das etwas ist, was Aufruhr auslöst, ist es nun mal notwendig! Ich wünschte es wäre nicht nötig. Ich wünschte man müsste als Kind/Jugendlicher nicht drüber nachdenken müssen was mit einem nicht stimmt. Wenn man einfach jederzeit sagt „och ich will mal das eigene Geschlecht daten“ oder „Ich will mal geschlechtsuntypische Kleidung tragen“. Dann haben wir einen Punkt erreicht, der akzeptabel ist. Also selbst wenn für mich das alles natürlich erscheint, weigern sich viele Menschen und Kulturen, das anzuerkennen. Wenn ich noch einmal das Argument „Gott hat Mann und Frau erschaffen, um die Fortpflanzung zu sichern“ oder „Das ist widernatürlich“ höre, raste ich aus! Also vorweg: ich als gebärfähige Frau lebe mit einem Mann zusammen und habe mich tatsächlich noch nicht reproduziert. Ich handle also auch gegen die „Natur“. Warum darf eine kaputte Frau mit einem kaputten Mann, ohne Plan, Bildung, finanzielle Mittel, vielleicht drogensüchtig, gewalttätig oder psychisch krank Kinder kriegen (und werden dafür auch noch beglückwünscht und gefeiert) und ein homosexuelles Paar, das nichts davon ist, nicht? Wo wäre das Kind glücklicher? Ein Geschlecht sagt nichts über Familie aus. Ach, und wenn wir schon dabei sind. Natur; ist ja nicht so als gäbe es nicht viele Tierarten in denen homosexuelle Beziehungen nicht selten vorkommen. Als würden keine männlichen Gorillas im Dschungel hocken und sich Baby aus Gestrüpp basteln, um es zu stillen, weil sie denken sie seien weiblich. Es ist nicht nur normal, es ist auch natürlich! Alle von „Gott“ geschaffen. Von daher: bei mir wird’s keinen Regenbogenkringel um mein Profilbild geben, aber dafür hör ich nicht auf diverse Menschlichkeiten als natürlich zu leben, selbst wenn der pride-month vorbei ist. Jeder Monat sollte Pride-Month sein! #pridemonth #regebogen #rainbow #sexducksandrocknroll #liebeistliebe #loveistlove #esistnötig

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